Worte der Weisheit

- PHILOSOPHIE TO GO -

DIE TÄGLICHEN
“WORTE DER WEISHEIT”

Jeden Morgen verschickt Albert die “Worte der Weisheit” zu einem wöchentlich wechselndem Thema. Dabei interpretiert er jeweils ein philosophisches Zitat.
20.05.2024:
Kant

Wer seine Begierde zu befriedigen weiß, ist klug, wer sie zu beherrschen weiß, ist weise.

Die Begierden zu befriedigen ist leicht, wenn man die materiellen Mittel dazu hat. Der Kluge findet sie schnell. Auf ihre Befriedigung zu verzichten aber ist schwer, auch wenn man weiß, dass dies besser für einen ist. Wie für alle Weisheitslehren der Antike war auch für Kant Weisheit vor allem die Kunst, den wilden Haufen innerer Begierden und Triebe so zu lenken und zu leiten, dass stets das rechte Maß bewahrt wird. Ein griechischer Philosoph hielt daher die Selbstbeherrschung für die größte Tugend. Sokrates wies darauf hin, dass, wie man seine Muskeln trainiert, so könne man auch die Selbstbeherrschung trainieren.

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19.05.2024:
Lebe jetzt!

Unser Streben muss darauf gerichtet sein, genug gelebt zu haben.

So der römische Philosoph Seneca. Er fährt fort:

Dieses Glaubens ist niemand, der gerade erst jetzt zu leben beginnt. Glaube nicht, dass deren nur wenige seien: es sind nahezu alle. Manche fangen erst dann damit an, wenn sie aufhören mussten. Wenn dir das wunderlich vorkommt, so will ich noch etwas Wunderlicheres hinzufügen: manche haben zu leben schon aufgehört, ehe sie anfingen.

Seneca will sagen, dass wir alles Wichtige sogleich angehen sollten, damit wir, wenn unser Ende naht, sagen können, dass wir unsere innersten Bedürfnisse, Anlagen und Talente gelebt haben oder doch so weit vorangetrieben haben, wie es uns möglich war. Der letzte Satz weist auf Menschen hin, die sich nie um die Weiterentwicklung ihrer Persönlichkeit und um das, was ihnen Erfüllung und Selbstverwirklichung hätte sein können, gekümmert haben.

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18.05.2024:
Lebe jetzt!

Einige rüsten sich ihr ganzes Leben hindurch zum Leben …

… und bemerken nicht, dass uns allen das tödliche Gift der Geburt beigeschüttet worden ist.

Das Zitat stammt von dem griechischen Philosophen Epikur. Mit dem „tödlichen Gift der Geburt“ ist die Sterblichkeit gemeint, der Tod. Angesichts unserer Vergänglichkeit, haben wir keine Zeit zu verlieren, mit dem guten und glücklichen Leben zu beginnen. Vielleicht kannte Mark Aurel das Zitat, der fünfhundert Jahre später schrieb:

Treib es nicht, als wenn du tausend Jahre zu leben hättest! Dein Schicksal hängt schon über dir. Solange du lebst, solange du noch die Möglichkeit hast, werde gut!

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17.05.2024:
Lebe jetzt!

Wer die Geschäfte vertagt, wird immer mit Ungemach ringen.

Die Worte stammen von dem griechischen Dichter Hesiod (um 700 v. Chr.), der ein bedeutendes und einflussreiches Lehrgedicht mit zahlreichen Spruchweisheiten geschaffen hat, von denen sich manche bis heute im Volksmund erhalten haben. Ein berühmtes Beispiel ist der Ausspruch „Ohne Schweiß, kein Preis“ (bei Hesiod heißt es: „Vor den Lohn haben die Götter den Schweiß gesetzt“). Das Zitat, aus dem die einleitende Zeile entnommen ist, lautet vollständig:

Schiebe auch nichts hinaus auf übermorgen und morgen …
Wer die Geschäfte vertagt, wird immer mit Ungemach ringen.“

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16.05.2024:
Lebe jetzt!

Wie du gelebt haben möchtest, wenn du tot wärst, so kannst du schon heute leben.

Der Ausspruch stammt von dem Philosophenkaiser Mark Aurel. Eine einfache Formel, um die Zeit, die einem zugemessen ist, für die wirklich wichtigen Dinge zu nutzen. Um welche Dinge es sich handelt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wichtig ist nur, dass man Mark Aurel beherzigt, über die aufgeworfene Frage nachdenkt, Entscheidungen trifft und danach lebt, jetzt, bewusst und jeden Tag aufs Neue. So gibt man seinem Leben ein Fundament und einen Sinn. Der Neurologe und Psychiater Victor E. Frankl war der Meinung, dass viele seelische Belastungen und Krankheiten daher rühren, dass ein Mensch den Sinn seines Tuns nicht erkennt oder aus den Augen verliert.

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15.05.2024:
Neuer Podcast "Lebensweisheiten 2" - Online-Vortrag heute "Weisheit ist Glück"

Liebe Freunde/innen der Weisheit,

in unserem Philosophie-Podcast „Der Pudel und der Kern“ ist die Jubiläumsfolge #100 zu hören. Es geht um sprichwörtlich gewordene "Lebensweisheiten", deren Sinngehalt wir näher erläutern wollen.



"Es ist scheller zu spät, als Du denkst."

Den kostenfreien Podcast und die wichtigsten Informationen dazu finden Sie auf der Website: www.pudel-kern.com

Ferner auf allen Plattformen, auf denen es Podcasts gibt, u.a.:

https://linktr.ee/pudelkern

https://podcasts.apple.com/us/podcast/100-lebensweisheiten-ii-philosophische-sch%C3%A4tze-f%C3%BCr/id1591918638?i=1000655602819

https://open.spotify.com/episode/4dKrrxjlJOup4X2DP65hKQ

Wenn Ihnen der Podcast gefällt, empfehlen Sie ihn bitte weiter. Über Anmerkungen und Rückfragen freuen wir uns.
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Online-Vortrag heute, Mittwoch, den 15.05.2024, 19:00 Uhr

"Weisheit ist Glück – Wie das Leben gelingen kann"

Das netzwerk ethik heute veranstaltet einen Online-Vortrag mit Albert Kitzler und anschließender Diskussion. Anmeldungen per E-Mail hier.

Herzliche Grüße

Albert Kitzler

15.05.2024:
Lebe jetzt!

Es gibt Leute, die leben nicht ihr gegenwärtiges Leben.

Das Zitat stammt von dem griechischen Philosophen Antiphon und lautet vollständig:

Es gibt Leute, die leben nicht ihr gegenwärtiges Leben, sondern sind mit großem Eifer geschäftig, als ob sie noch ein zweites Leben zu leben hätten, nicht aber das gegenwärtige; und unterdessen vergeht die Zeit, die ihnen noch bleibt.“

Gemeint sind hier Menschen, die durch ein Übermaß an Geschäftigkeit vergessen, die Früchte ihrer Bemühungen bewusst und mit Freude im Hier und Jetzt zu genießen. Sie leben, arbeiten, planen stets auf ein Morgen hin, sind in Gedanken in zukünftigen Projekten befangen und bemerken nicht, dass sie die Freude, die sie auf morgen verschieben, schon heute haben könnten. Ihr Leben geht mit Aufschieben dahin.

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14.05.2024:
Lebe jetzt!

Es gibt keinen besseren Moment, mit einer weisen Lebensführung zu beginnen, als jetzt.

Das ist der Sinn des folgenden Ausspruchs, der von dem Philosophenkaiser Mark Aurel stammt:

Wie deutlich drängt sich mir die Erkenntnis auf, dass es keine Lebenslage gibt, die zum Philosophieren so geeignet wäre als die, in der ich mich befinde!

Philosophieren ist bei Mark Aurel vorwiegend praktisch gedacht und bedeutet wie bei Sokrates, das Selbst zu erforschen, sich selbst zu leben, die wertvollen Lebensziele zu erkennen und nach der besten Einsicht zu handeln, mit anderen Worten: nach Weisheit zu streben und entsprechend zu denken, zu wollen und zu handeln. Das hinauszuschieben hieße, das Leben hinauszuschieben. Denn nur wer philosophisch lebt und nach Weisheit strebt, lebt sein Leben.

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13.05.2024:
Lebe jetzt!

Das Leben geht mit Aufschieben dahin.

Das Zitat stammt von dem griechischen Philosophen Epikur und lautet vollständig:

Du aber bist nicht Herr des morgigen Tages und verschiebst immerzu das Erfreuende. Das Leben geht mit Aufschieben dahin, und jeder von uns stirbt, ohne Muße gefunden zu haben.

Im Weisheitsdenken der Antike finden wir immer wieder die Aufforderung, das Wichtige im Leben nicht hinauszuschieben, sondern sogleich damit anzufangen. Das bedeutet auch, mehr im Hier und Jetzt zu leben, präsent zu sein, sich nicht übermäßig von Gedanken an die Zukunft oder die Vergangenheit ablenken zu lassen von dem, was im gegenwärtigen Augenblick geschieht. Epikur plädiert damit für eine Aufwertung der Muße, der Ruhe, der Zeit für sich selbst und andere und für außerberufliche Tätigkeiten. Von diesen kostbaren Zeiten opfern wir häufig zu viel unserer beruflichen Karriere, der sozialen Stellung und der Anhäufung von Besitz und Vermögen.

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